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Auf der Heimfahrt reflektierten wir mehr als einmal unser
Tun und Handeln, sinnierten über unser Hobby – nun,
teilweise mit Ergebnissen die uns selbst irritierten. Ist
schon alles ziemlich verrückt! Doch die Tatsache, dass
es unter anderem Menschen gibt, die sich ein Gummiseil um den Fuß
binden und von einer Brücke springen, half uns in unseren
Gedanken weiter. Darin sahen wir für den Moment des
Zweifels noch erheblich weniger Sinn.
Die Entdeckung
Uns war es sehr wichtig, dass der Kornkreis schnell entdeckt
wird und vor allem, dass die wichtigen Konkreisforschergemeinschaften
von der neuen Formation erfahren. Also taten wir das, was
nach unserem Wissen schon Dutzende Male zuvor geschehen
war: Über einen Strohmann schleusten wir die Meldung
und die ersten Bilder in die Szene. Alles funktionierte
auf Anhieb. Die Formation wurde im Internet gemeldet und
war somit allen Enthusiasten zugänglich.
Parallel dazu sorgte das merkwürdige Zeichen im
Feld natürlich bei der Bevölkerung in Belitz für
Aufruhr. Die ersten Schaulustigen pilgerten zum Getreidemuster,
begannen darüber zu philosophieren, wer oder was wohl
die Verursacher seien. Lokale Presse und letztendlich auch
das Fernsehen berichteten über das Belitzer Wunder.
Ein Beitrag in dem Format »DAS!« des NDR krönte
den Medienrummel. Tillmann B., der uns wohlgesonnene Gutsbesitzer,
spielte die vereinbarte Rolle brilliant! Und nach und nach
durchschaute er selbst die Mechanismen des Kornkreisphänomens
immer weiter. Die Anekdoten, die wir ihm bei unserem Eintreffen
im Gutshof Belitz erzählten und die bei ihm ungläubiges
Staunen auslösten, spielten sich nun »live«
auf einem seiner Felder ab. Personen, die teilweise von
weither anreisten und von kosmischen Zeichen sprachen, Halmlagerungen
analysierten, Halmknoten unter die Lupe nahmen, von Aliens,
UFOs und außerirdischen Besuchern sprachen.
Der erste Teil unseres Planes war voll aufgegangen: Wir
hatten ganz legal und offiziell einen nachweislich menschengemachten
Kornkreis in der Szene etabliert!
Reaktionen und Einsichten
Als nächsten Schritt hatten wir uns gewünscht,
dass der Kornkreis als »echt« kategorisiert
wird. Doch dies blieb uns versagt. Dies lag nicht an der
Formation selbst, sondern letztendlich an einem Umstand,
den wir als vernachlässigenswert eingestuft hatten.
Die Tatsache, dass wir Projekt 2003 angekündigt hatten,
rief zur äußersten Vorsicht bei den Kornkreisforschern
auf, was die Beurteilung und Kategorisierung von Formationen
in »echt« oder »falsch« angeht,
auf. Die Gewissheit, dass irgendwo der Brunner/Hoos-Kreis
dazwischensteckt, überschattete die Berichterstattung
und so wurde generell in der Saison 2003 kaum ein Urteil
über »echt« oder »falsch« abgegeben.
Die Angst vor einer Blamage war zu groß. So schreibt
Andreas Müller von invisible(circle schon kurz nach
der Ankündigung unseres Projekts im Forum auf dieser
Homepage: »[...] Ihr streut eine sehr ungesunde
Saat des Zweifels und der Unsicherheit. Jeder, ob nun Forscher
oder nicht, wird sich bei jeder neuen Formation – und Ihr
könnt ja schließlich nicht alle alleine machen
– immer als erstes Frage müssen: Könnte es sich
vielleicht auch um die Testformation handeln ... also Obacht!
Das ist – worin mir sicher viele Forscher-Kollegen, egal
welcher Disziplin, zustimmen – keine gesunde Voraussetzung
für irgendeine Art von Forschung. [...]«
(http://f25.parsimony.net/forum63727/messages/2443.htm)
Der Hauptvorwurf der uns gemacht wurde war, wir würden
die Kornkreisforschung boykotieren, die Kornkreisforschung
ins Lächerliche ziehen. So schreibt Dr. Uwe Engelmann
stellvertretend für viele in der Ausgabe 2/2003 des
FGK-Report: [...] »wird dadurch [durch das Projekt
2003] aber die Erforschung eines möglicherweise echten
Phänomens stark gestört und es werden vor allem
Zwist und Mißtrauen in der Kornkreisszene geschürt«
[...] Doch wie kann man eine Forschung boykotieren,
wenn man ein Versuchsobjekt zur Verfügung stellt an
der sich die Forschung messen kann. Müssten uns nicht
eigentlich eben genau diese Personen dankbar sein? Dies
wird eine Logik bleiben, die uns verschlossen bleibt, wir
aber diese Absurdität als essentiell ansehen, um dem
Kornkreisphänomen einen Fortbestand zu garantieren.
Kurzum: Projekt 2003 hätten wir nicht ankündigen
dürfen – es hätte verdeckt stattfinden müssen!
Als zweiter Fehler stellte sich die Wahl unseres Designs
heraus. Unsere Vorliebe für Langpiktogramme lenkte
den Verdacht vieler auf Belitz. Für verschiedene Auftragsarbeiten
hatten wir bereits ähnliche Formen gewählt, beispielsweise
für den »SAT 1-Planetopia-Kreis« im Jahr
2002.
Langfristige Reaktionen und
Bewertungen
Mit Absicht haben wir die Auflösung des Projekt
2003-Rätsels recht lange hinausgezögert. Denn
wir wissen von anderen Kornkreis-Fällen, dass oft lange
nach der Ernte eine Mystifizierung einsetzt. Denn ist das
Korn erstmal gemäht und alle Spuren beseitigt, können
viele Behauptungen nicht mehr verifiziert werden und erhalten
somit sehr schnell den Status der Wahrhaftigkeit.
Und ein ganz klein wenig wurden wir für unser Warten
auch noch belohnt. Denn so steht in einem Bericht von Frank
Peters/FGK geschrieben: »[...] Zu Beginn der 60iger
Jahre hat es in der Nähe der diesjährigen Formation
in Belitz, südöstlich des Rostocker Flughafens
Laage, einen Kornkreis gegeben und zwar zu Füßen
einer kleiner bewaldeten Anhöhe, dem Teufelsberg. In
der hügeligen, eiszeitlichen, von Grundmoränen
durchzogenen Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns gab es auch
schon einige archäologische Funde, wie Scherben und
Speerspitzen. Er war Anfang der 60iger Jahre im Feld unterwegs
gewesen und glaubte von weitem zuerst das Ergebnis eines
Streiches der Dorfjugend zu sehen. Zuerst nahm er an, dass
sie mit Mopeds oder Motorrädern dort ihre Runden aus
Übermut gedreht haben könnten. Auch das Werk eines
Traktorfahrers schloss er nicht aus, der dort gewendet haben
könnte. Aber wer wendet schon seinen Traktor in einem
Kornfeld? Als er sich den Kreis im Korn näher ansah,
fielen ihm jedoch gleich die feinen filigranen Strukturen
auf und er schloss beide Möglichkeiten aus. Er war
sich sicher, dass er so etwas noch nie zuvor gesehen. Das
Korn lag im Uhrzeigersinn flach an den Boden gedrückt
und war nicht etwa abgemäht. Es sah wunderschön
aus, wie ein runder Webteppich. Die ganze Formation hatte
ungefähr einen Durchmesser von 20 m.[...]« (http://www.fgk.org/03/belitz/60er.shtml)
In diesem Bericht werden drei interessante Aspekte eingewoben:
»in der hügeligen, eiszeitlichen, von Grundmoränen
durchzogenen Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns«,
»archäologische Funde« und ein Kornkreis-Sichtungsereignis,
das viele Jahre zurückliegt. Ein Verweis auf prähistorische
Begebenheiten und Funde ist in der gesamten Kornkreisberichterstattung
oft zu finden und soll offensichtlich suggerieren, dass
es hier größere Zusammenhänge gibt, als
die, die wir auf den ersten Blick sehen können. Der
Verweis auf frühere Kornkreisentdeckungen soll suggerieren,
die ganze Sache ist »alt«. Und wer soll schon
früher so was frevelhaftes wie Kornkreise-Machen getan
haben?
Mit Sicherheit haben auch die einschneidenden Ereignisse
auf der Insel Rügen den einen oder anderen Einfluss
auf unser Projekt gehabt. Dort wurde eine Woche nach der
Entdeckung der Belitz-Formation der Kornkreismacher entlarvt,
der zwei Jahre die Szene auf der Ostseeinsel aufgebaut hat
und am Laufen hielt (http://www.invisiblecircle.org/ser/druegen.html)
Resümee
Es ist uns zweifelsohne gelungen, einen ganz normalen
Kornkreis in der Szene zu platzieren. Und es sei eines nochmal
explizit betont: Wir haben nichts getan, was kornkreisuntypisch
ist! Alle Tricks und Mechanismen denen wir uns bedient haben,
sind in der Kornkreismacherszene alt bekannt und erprobt!
Doch kam dieses Experiment letztendlich eine paar Jahre
zu spät. So waren die Schocks von den Blamagen speziell
des letzten Jahres doch noch sehr gegenwärtig. Wir
erinnern uns an den Kornkreis, der im Auftrag von SternTV
angelegt wurde und sich zu diesem Anlass viele Kornkreisforscher
selbst der Kamera vorführten (http://www.kornkreise.de/Aktuelles_main.htm).
Urteile über Kornkreisformationen werden von den Forschern
in der Öffentlichkeit nicht mehr oder nicht mehr so
schnell abgegeben.
Wir wissen schon jetzt, dass es einige Fanatiker geben
wird, die uns nicht glauben werden, dass wir die Formation
bei Belitz angelegt haben. Diese Personen werden behaupten,
dass wir Teil der Desinformationskampagne sind, die mit
Doug & Dave begonnen hat. Wir sind nun auf die Reaktionen
in der Nachbereitung unseres Projekt 2003 gespannt.
Wir haben durch dieses Projekt weitere wertvolle Erkenntnisse
gewonnen. Wir können mit Sicherheit sagen, dass es
ein vergleichbares Projekt von unserer Seite nicht mehr
geben wird. Aber eines wissen wir auch genau: Es wird weiter
Kornkreise geben!
Dank
Unser besonderer Dank gilt Tillmann B. und seiner Familie,
die uns so herzlich bei sich aufgenommen haben und tatkräftig
unser Projekt unterstützt haben. Desweiteren danken
wir den Personen, die uns anonymer Weise bei unserer Aktion
behilflich waren.
Dezember 2003 Harald
Hoos | Florian
Brunner | Markus
Schröder

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